der Menschen wegen..."


Ein wesentliches Charakteristikum der Musik Gottfried von Einems ist der Primat des künstlerischen, musikalischen, thematischen, rhythmischen Einfalls. Eine saubere, kunstvolle formale Arbeit ist für ihn selbstverständlich, aber nicht Selbstzweck. Daher konnte er die Zwölftontechnik, die er sehr genau studiert hat, letztendlich nicht akzeptieren. Mit der ihm eigenen Neugierde hat er sich auch mit der Elektronik und ihren Möglichkeiten auseinander gesetzt, um schließlich zu erkennen, dass sie ihm für das, was er in Tönen und Klängen ausdrücken will, nicht hilfreich sein kann.

Gottfried von Einem zählt zu jenen „Klassikern“ des 20. Jahrhunderts, die überzeugt waren, auf der Basis der Tonalität noch Neues und Gültiges aussagen zu können. Kontinuität aus der Tradition war für ihn nicht zwangsläufig ein Widerspruch zum Suchen neuer und persönlicher Ausdrucksformen. Es stand für ihn unumstößlich fest, dass Musik nicht um ihrer selbst willen geschaffen werden darf, sondern dass Komponieren eine Botschaft an das Publikum zu sein hat.

Gottfried von Einem teilte nicht das Schicksal vieler seiner Kollegen, nur im „Ghetto“ der Interessenten für zeitgenössische Musik bekannt zu sein, oder gar nur für die Schreibtischlade zu komponieren. Sein Name war weltweit bekannt, sein kompositorisches Schaffen eine Kette von nationalen und internationalen Erfolgen, die ihresgleichen suchten.

Unter den österreichischen Komponisten des 20. Jahrhunderts nimmt Gottfried von Einem eine Sonderstellung ein. Er genoss im Bereich des kulturellen Lebens hohes Ansehen - nicht nur als Komponist, auch als Musikpädagoge und als Standesvertreter. Und er hatte Einfluss, ja Macht in kulturpolitischen Belangen als Berater oder Präsident, als Gründungs-, Direktoriums- oder Kuratoriumsmitglied vieler wichtiger Kulturinstitutionen.